Tja, wenn
dat neue Kesro mich schon in der Linkliste zum Schreiben auffordert und dann auch noch heute abend zufällig meine Abendverabredung geplatzt ist... Beschwert euch hinterher nur nicht wieder über Textmeter!
Wie man in meinem Lieblingsspielzeug an der rechten Seite sehen konnte, war ich vor kurzem wieder in Afrika. Meine erste Dienstreise, juhu! Die dafür direkt sehr ausführlich, weil sie im Laufe der Planung immer weiter gewachsen ist. Am Ende standen dann drei Stationen, die mir sehr verschiedene Afrikas - insbesondere auch im Vergleich zu Sierra Leone - gezeigt haben.
Addis Ababa, Äthiopien (4 Tage)Hinflug am Tag, wolkenloses Wetter und damit ideale Blicke auf schneebedeckte Alpen, Sahara und Sudan. Zwischendurch musste ich allerdings ein bisschen schlafen, weil ich in der Nacht vorher bis etwa 4:00 gepackt habe und deshalb nur 1.5 Stunden in meinem Kuschelbett verbringen konnte. Dank toller Lufthansa und leerem Flieger aber kein Problem. Einen tollen Film (Die Bienenkönigin oder so, mit Queen Latifah und Alicia Keys) mit feuchten Augen gab's auch noch zwischendurch. Ankunft in Addis abends, alles sehr geordnet, ein laues Frühlingswindchen weht, überall stehen schön gepflegte alte Autos (Käfer und so, ein Traum!). Hello Africa. Transfer ins Hilton - da hab ich ja vorher den Mund nicht mehr zugekriegt, dann aber auch erlebt, dass Hilton Afrika nicht gleich Hilton Europa ist. Denke ich mal, ich war noch nie in einem europäischen Hilton. Also, das war schon super, aber zerbroche Kacheln oder sowas gäbe es hier vermutlich nicht. Mir hat's trotzdem gut gefallen, ich steh ja auf schicke Hotels. Den ganzen Tag in Büros gehockt, die Botschaft besucht, mit wichtigen Menschen geluncht, aber trotzdem ein T-Shirt angehabt. Ich mag die mehr-Lockerheit im Ausland und noch viel mehr mag ich die Sonne :) Nach Feierabend schwimmen im naturbeheizten Spapool, während es draußen kalt wird. Am Samstag hatten wir dann ein Stündchen Sonnenfreizeit und ich dachte mir - is ja morgens, is noch nicht so warm, is nur max. ne Stunde... brauchste dich nicht eincremen. HAHAHA! F e h l e r. Irgendwie muss ich wohl vergessen haben, dass Addis gut 2000m hoch liegt und das Höhensonne böse ist. Das passiert mir nicht nochmal, denn ich habe mich in 20 Minuten so schlimm verbrannt, dass ich anschließend eine Woche die Sonne meiden musste, was keinen Spaß macht, wenn man aus Deutschland Wintermärchen hört. Mal ganz ab gesehen von den Anstrengungen beim Abtrocknen oder der Kleiderauswahl, denn man muss ja auch halbwegs repräsentativ aussehen und krebsrot... Naja. Stupid white girl, I'd say. Von Hautschäden ganz zu schweigen. Den Rest des Nachmittags im Schatten auf einer netten Gartenparty mit tollem Essen verbracht, ein bisschen schönen Addiskram gekauft (Tücher en masse...) und dann schnell wieder ins Hotel, weil's schon dunkel wurde und man dann lieber nicht auf der Straße sein sollte, wenn man weiblich ist, keine Ahnung hat wo man ist und wie das Leben da funktioniert. Abends dann wieder packen und am Frauentag weiter nach Botswana. Eindrücke, die größtenteils beim Vorbeifahren im Auto hängen geblieben sind: Schon anders als Sierra Leone. Reichere Menschen (Achtung, relativ!), wenig betteln, wunderschöne, sehr zierliche Frauen. Aber auch: handeln und diskutieren, und im Taxi abgezockt werden. Auffällig viele behinderte Menschen - auch in höheren Positionen, z.B. Hilton-Empfangschef -, was ich positiv fand (in vielen anderen Ländern werden die eher versteckt, wenn nicht gleich bei der Geburt umgebracht). Größtenteils asphaltierte Straßen, schicke und fahrtüchtige Autos. Es gibt sogar Busse! Und natürlich podapodas, vor denen die Weißen aber irgendwie Angst haben (wie haben die in Salone ja geliebt). Leckeres Essen. Ein traumhaftes GTZ-Büro mit quasi-Dachterasse, das aber bald umzieht um näher an der Afrikanischen Union zu sein. Zu kurz dagewesen zu sein, um wirkliche Eindrücke mitnehmen zu können. Und: verlasse dich niemals auf eine Kreditkarte.
Gaborone, Botswana (3 Tage)Ankommen, in den Sonnenuntergang fahren, im schicken Sonnenhotel einchecken und dann an die Bar zum Windhoek Lager trinken mit dem Experten vor Ort. Das ist so ein geflügeltes Wort in GTZ-Sprache, ich bin gecorporate identitied. Ein Experte in der Bierauswahl ist er auf jeden Fall, außerdem kommt er aus Lobberich - umme Ecke für die nicht-Gladbacher - und großer Fohlenfan. So gewinnt man Sympathien in der Welt :) Politische und nicht-korrekte Gespräche geführt, und das alles draußen sitzend. An den nächsten Tagen wichtige SADC-Menschen besucht (Regionalorganisation im südlichen Afrika), französisch verstanden und gerade gesprochen (nur 1 Satz, aber der war super!), ungewöhnliche Botschaftsmitarbeiter getroffen (Zitat: "das geht denen am knallroten Arsch vorbei" ... Staunende Blicke auf unserer Seite), und versucht, uuuuuunglaublich viele Informationen zu speichern und zu verarbeiten. Durch die Stadt gefahren, in wundervollen, fast englischen Café Mittag gegessen und dabei immer wieder über Gaborone gestaunt. Die Stadt ist wie ein Modell. Kaum Menschen auf der Straße (haben alle einen Job) und wenn man welche sieht, sind sie gut und (leider) unafrikanisch gekleidet. Ich hab keinen einzigen Bettler gesehen, oder jemanden mit kaputten Klamotten. Sprich: jemand, der arm aussah (was vermutlich nicht heisst, dass es die nicht gibt). Die Straßen sehen aus wie die Hanauer Landstr. in Frankfurt - gesäumt von Shoppingcentern und Autohäusern. Alle (!) Straßen sind asphaltiert und es fahren keine 4x4-Autos rum, weil man sie einfach nicht braucht. Und überall stehen richtige Häuser aus Stein mit normalem Dach. Es gibt kein Stadtzentrum! Unterm Strich keine wirklich tolle Stadt, ziemlich langweilig aber dennoch wieder interessant weil so völlig anders als alles was ich bisher von Afrika mitbekommen habe. Und wirklich ein Zeichen dafür, dass die richtige Verwendung von Diamanteneinkommen auch den Menschen zugute kommen kann. Dann ein traumhaftes Curry-Essen auf der "Privat-Lodge" des Experten mit sagenhaftem Blick auf die wunderschöne Landschaft - und einem Mietpreis, für den man in Frankfurt ne tolle 3 Zimmerwohnung bekommt. Angeregte Gespräche mit seiner fantastischen Frau, die aus Zimbabwe kommt und sichtbar leidet wenn sie Nachrichten schaut. Zwischendurch ein bisschen Werbung für die Maastricht-Uni machen :) Am letzten Tag geht's ab ins Auto und mit dem VW - German Development Cooperation - nach Südafrika. Wir fahren an wunderschöner Landschaft, jeder Menge Wahlplakaten, rassistischen Dörfern und KFC vorbei, das alles natürlich auf asphaltierten Landstraßen und Autobahnen (!!).
Johannesburg/Pretoria, Südafrika (7 Tage)Whooohoo, drittgefährlichste Stadt der Welt. Ich hatte vorher ja schon ein bisschen Schiß und war auch ganz froh darüber, dass wir irgendwo außerhalb der beiden Städte in einer HAMMER-Lodge untergebracht waren. Nicht so froh, dass mein Zimmer im Erdgeschoss war, aber gut. Ist auch nichts passiert. Beim Anblick des Zimmers ist mir erstmal die Kinnlade runtergeklappt, bevor ich mir sehr gut vorstellen konnte, hier eine Woche zu wohnen. Das Bett, die Dusche, der Blick von meiner Terrasse und nicht zuletzt der Fernseher (hallo ManU)...wow. Sowieso war der ganze Aufenthalt eigentlich geprägt von runterhängender Kinnlade. Die städteverbindende Autobahn hat 4 Spuren auf jeder Seite!!! Überall, wirklich überall wird gebaut, damit für 2010 alles schön schicki ist. Es gibt fast nur neue Autos, also genauso wie in Europa (nördliches, Spanien und Frankreich können da schon nicht mehr mithalten). Interessanterweise gibt es viele goldene Mercedes...
Verdammte Hacke. Jetzt hat lovely Google mich nach Fertigstellung meines ausführlichen Reiseberichts rausgeschmissen und nur das hier ist geblieben. Weil es jetzt aber schon so spät ist - ich wundere mich nicht mehr, warum ich nur noch so selten schreibe - müsst ihr die Details zu Soweto- und Pilanesbergbesuchen, Eindrücken von Armut und Reichtum, Wahlkampf und Rassismus und nicht zuletzt dem, was ich eigentlich da gemacht habe eben persönlich erfragen. Oder ich schreib's mal die Tage, wenn ich Zeit habe (...) ;)
Zu guter Letzt dennoch ein Hinweis: Das klingt alles so nach Spaß und Urlaub, daher hab ich das Bedürfnis, das hier noch anzufügen, weil wir lieben Steuerzahler diese Reise schließlich finanziert habt: So war's nicht. Die Tage waren eher von morgens (Meetings) bis zum ins-Bett-gehen (Emails abarbeiten) vollgepackt, der Teil ist nur nicht so interessant für euch. Trotzdem danke, denn es war wirklich toll :)
PS: Und Südafrikaner haben
keine Ahnung von Fußball, zumindest die Weißen. Gut, zumindest die, die auf dem Rückflug neben mir saßen. Im Fernsehen laufen die Bundesligaergebnisse und der eine gesteht mir, das Spiel einfach nicht zu verstehen. Er sei letztens im Pub gewesen und da wär so ein Englander gewesen, der stinksauer war weil seine Mannschaft verloren hatte. Er hat das gar nicht kapiert, denn das war ja nicht mal ManU sondern "irgendeine Provinzmannschaft... Liverpool oder so". Verwirrte und humorsuchende Blicke meinerseits... nichts. Bloody hell!!?!?!?!!!!
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